In unseren zurückliegenden Beratungsrundbriefen hatten wir regelmäßig über die Bewirtschaftungsauflagen in den „Roten Gebieten“ (§13-Gebiete) informiert. Unter anderem ging es um den verpflichtenden Zwischenfruchtanbau vor einer Sommerung, wenn diese mit Stickstoff gedüngt werden soll. Lediglich Trockengebiete mit weniger als 550 mm Jahresniederschlag werden von dieser Verpflichtung ausgenommen. Ursprünglich wurde für die Ermittlung der durchschnittlichen Niederschlagsmenge der dreißigjährige Mittelwert angesetzt. In diesem Zeitraum lag das gesamte Beratungsgebiet über dem Grenzwert von 550 mm Niederschlag.
Nach einer aktuellen Überarbeitung wird für die Berechnung der durchschnittlichen Niederschlagsmenge das zehnjährige Niederschlagsmittel angesetzt. Durch die Anpassung des Zeitraums wird  ab diesem Jahr ein Teil des Beratungsgebiets als Trockengebiet mit weniger als 550 mm Jahresniederschlag geführt (in der Karte gelb markierte Flächen).  Für diese Gebiete entfällt bis auf Weiteres der verpflichtende Zwischenfruchtanbau vor einer Sommerung.

Ob Ihre Flächen von der Verpflichtung befreit sind kann unter folgendem Link eingesehen werden:
https://geobox-i.de/GBV-HE/

Die Darstellung funktioniert am besten, wenn Sie als Browser Mozilla Firefox verwenden.

Folgende Einstellungen müssen Sie an den Layern der Kartenauswahl vornehmen (vgl.  Abbildung):

 

  • Aktivieren von „jährlicher Niederschlag im 10 jährigen Mittel kleiner 550 mm (=gelb markierte Flächen)
  • Aktivieren von „Düngeverordnung“ mit Haken an „Mit Nitrat belastete Gebiete“ (=rot markierte Flächen – nur sichtbar bei Zoom bis zu einem Maßstab größer 1 : 10.000)
  • Aktivieren von „Liegenschaftskarte“ (nur sichtbar bei Zoom bis zu einem Maßstab kleiner 1 : 10.000)
  • links oben unter dem Feld „Grundkarten-Galerie“ eine Hintergrundkarte auswählen (im Beispiel wurde „Bilddaten mit Beschriftung“ ausgewählt)

 

Hinweis:

Eine gleichzeitige Darstellung der Liegenschaftskarte und der rot markierten Flächen ist nicht möglich, da die beiden Layer derzeit nur bei unterschiedlichen Maßstäben angezeigt werden können.

Der aktuelle Maßstab wird Ihnen in der Ecke links unten angezeigt.

 

Abbildung 1: Kartenausschnitt der Gebietskulissen „Trockengebiet“ (gelb) und „Rote Gebiete“ (rot)

 

Zusammenfassung:

  • Verpflichtender Zwischenfruchtanbau vor einer Sommerung (falls die Sommerung mit Stickstoff gedüngt werden soll) auf Rot gekennzeichneten Flächen (=„Rote Gebiete“)
  • Bei einer Überlagerung von Gelb und Rot markierten Flächen ist der Anbau einer Zwischenfrucht vor einer Sommerung nicht verpflichtend, da die Flächen als Trockengebiet gekennzeichnet sind

 

Falls Sie Fragen zu den Auflagen haben, die sich aus den Gebietskulissen ergeben, können Sie gerne Kontakt mit uns aufnehmen.

 

 

Auf zwei Demoschlägen mit den Kulturen Winterweizen bzw. Wintergerste werden durch die WRRL-Beratung in regelmäßigen Abständen Chlorophyllmessungen durchgeführt. Neben der Bestimmung des Chlorophyllgehalts wird zusätzlich die Bodentemperatur und in unregelmäßigen Abständen der Nitratgehalt im Pflanzensaft sowie der Nmin im Boden bis 90 cm Tiefe erfasst.

Die Messreihen können Ihnen dabei helfen Rückschlüsse auf die N-Versorgung Ihrer Getreidebestände zu ziehen und gegebenenfalls die anstehenden Düngemaßnahmen besser an den aktuellen Kulturbedarf anzupassen. Beispielsweise können Mineralisationsschübe aufgrund der Witterung frühzeitig erkannt und der dadurch im Boden verfügbar gewordene Stickstoff für die weitere Düngeplanung berücksichtigt werden. Die Ergebnisse weisen zudem darauf hin ob die Stickstoffaufnahme der Kultur z.B. durch die Trockenheit bereits gehemmt ist und daher weitere Düngegaben nur bei ausreichender Wasserversorgung sinnvoll sind.
Die Ergebnisse der Messungen werden wir in regelmäßigen Abständen aktualisieren und hier veröffentlichen.

 


Messreihe Winterweizen:

Flächendaten:

Standort: Leeheim
Vorfrucht: Zuckerrüben
Kultur: Winterweizen (Vermehrung)
Sorte: Ambello
Frühjahrs-Nmin-Wert am 19.02.2021: 21 kg N/ha (0-90 cm)
1. Düngetermin 21.02.2021: 80 kg N/ha mit Ammonsulfatsalpeter
2. Düngetermin 08.04.2021: 80 kg N/ha mit Kalkammonsalpeter


 

Ab dem 26.3. wurde in regelmäßigen Abständen der Chlorophyllgehalt der Blätter bestimmt (grüne Linie). Ab dem 01.4.2021 wurde zusätzlich zu jedem Messtermin die Bodentemperatur in 15 cm Tiefe erfasst (braune Linie). Am 01.04.2021 wurde anhand einer Pflanzensaftmessung der Nitratgehalt im Pflanzensaft bestimmt. Die zweite N-Gabe erfolgte in Höhe von 80 kg N/ha mit Kalkammonsalpeter am 08.04.2021 (rotes Dreieck). Kurz zuvor wurde ein Nmin-Gehalt im Boden von 56 kg N/ha in 0-90 cm Tiefe gemessen.

 

Einordnung der Messwerte:

Der Chlorophyllgehalt eines optimal mit Nährstoffen versorgten Weizenbestands liegt ab dem Zeitpunkt des Schossens (ab EC 30) bei ca. 715 (orange Linie). Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass neben Stickstoff auch weitere Nährstoffe (insbesondere Schwefel) Einfluss auf die Grünfärbung des Getreides haben. Darüber hinaus muss der Nährstofffluss im Boden durch ausreichend Feuchtigkeit gewährleitet sein. Falls ein Nährstoffmangel vorliegt oder der Nährstofffluss im Boden z. B. durch Trockenheit gestört ist, kann die Grünfärbung einen vermeintlichen Stickstoffmangel vortäuschen (der Bestand wird heller) obwohl andere Faktoren dafür verantwortlich sind. Eine weitere N-Düngung würde in diesem Fall kaum eine Erhöhung des Chlorophyllgehalts bzw. eine Verbesserung der Stickstoffversorgung bewirken, kann jedoch das Risiko von hohen Rest-Nmin-Gehalten nach der Ernte erhöhen.
Des Weiteren gilt es zu beachten, dass sich die Grünfärbung bei Getreide sortenbedingt sehr stark unterscheiden kann. Für die Chlorophyllmessungen werden diese Sorteneffekte durch „Sortenkorrekturwerte“ bereinigt.

Zu Beginn der Messreihe am 26.03. lag der Chlorophyllmesswert bei 637. Dies entspricht einem N-Bedarf von ca. 50 kg N/ha. In der Folge nahm der Chlorophyllgehalt trotz einer N-Düngung von 80 kg N/ha (08.04) bis zum 19.04. auf 613 kontinuierlich ab. Erst am 23.4. wurde mit 644 ein höherer Messwert als zu Beginn der Messreihe gemessen.

Die Bodentemperatur in 15 cm Tiefe liegt im Beobachtungszeitraum mit leicht schwankenden Werten bei knapp unter oder knapp über 10 °C. Die kühle Witterung führte bisher zu keiner nennenswerten Erhöhung der Bodentemperatur.

Auf Basis der Werte lässt sich vermuten, dass aufgrund der im April vorherrschenden Trockenheit der Nährstofffluss im Boden teilweise unterbrochen ist. Diese Vermutung wird durch eine Nmin-Bodenprobe kurz vor der zweiten Düngergabe am 08.04.2021 bekräftigt. Obwohl der gemessene Chlorophyllwert mit 624 deutlich unter dem Optimalbereich lag, konnte in der Bodenschicht 0-90 cm ein Nmin-Gehalt von 55 kg N/ha (0-30 cm: 26 kg N/ha; 30-60 cm: 16 kg N/ha; 0-90 cm: 13 kg N/ha) ermittelt werden. Darüber hinaus zeigt eine Messung des Pflanzensafts mit 329 ppm Nitrat (Optimalwert ab 400 ppm), dass es der Pflanze wegen den ausbleibenden Niederschlägen nicht möglich ist, den im Boden vorhandenen Stickstoff aufzunehmen.

Auch in der weiteren Folge blieb der Chlorophyllmesswert trotz der Düngung von 80 kg N/ha relativ konstant bei Werten um 610. Erst zur Chlorophyllmessung am 23.04.2021 konnte eine deutliche Zunahme des Messwerts festgestellt werden. Vermutlich konnte mittlerweile ein Teil des gedüngten  bzw. des noch im Boden vorhandenen Stickstoffs durch den Weizen aufgenommen werden.
Schwefelmangel als eine mögliche Ursache für die relativ niedrigen Chlorophyllmesswerte des Bestandes kann durch die ASS Gabe im Frühjahr ausgeschlossen werden.


Update 12.05.2021:

Ab dem 25.04. bis zum 09.05.2021 konnte eine stetige Zunahme des Chlorophyllmesswerts von 635 auf 680 festgestellt werden. Der Chlorophyllwert liegt somit am 09.05. nur noch leicht unter dem angestrebten Optimalwert. Die in diesem Zeitraum gefallenen Niederschläge (ca. 25 mm) bewirkten eine Durchfeuchtung des Oberbodens, so dass der im Boden vorhandene Stickstoff für die Kultur verfügbar wurde. Die wärmere Witterung (insbesondere moderate Nachttemperaturen) führten zudem zu guten Wachstumsbedingungen.

Vielerorts schiebt der Weizen das letzte Blatt. Falls Sie also eine 3. Gabe bzw. eine Qualitätsgabe planen, sollte diese aus Grundwasserschutzsicht demnächst erfolgen. Spätestens zum Ährenspitzen sollte die Düngung zum Weizen abgeschlossen sein, da sonst das Risiko besteht, dass der Stickstoff nicht mehr komplett durch den Weizen aufgenommen werden kann. Bei ausbleibenden Niederschlägen sollte zudem eine Beregnung erfolgen, damit der Stickstoff für die Proteinbildung zur Verfügung steht.


Update 09.06.2021:

Im Zeitraum vom 10.5. bis zum 26.5.2021 konnte eine leichte Abnahme des Chlorophyllmesswerts von 680 auf 650 beobachtet werden. Dies entspricht einer Zunahme des gemessenen N-Bedarfs von ca. 20 kg N/ha auf 40 kg N/ha. Scheinbar konnte der durch die 1. und 2. Düngegabe ausgebrachte mineralische Stickstoff mittlerweile größtenteils durch die Kultur aufgebraucht werden. Die weiterhin ungewöhnliche kühle Witterung im Mai mit folglich niedrigen Bodentemperaturen führte zu einer Verzögerung der N-Nachlieferung aus dem Boden.

Ab dem 26.5. bis zum 09.6.2021 konnte eine augenfällige Steigerung des Chlorophyllmesswerts von 650 auf 702 festgestellt werden. Zum Zeitpunkt der letzten Messung lag der Winterweizen somit im Optimalbereich. Der Anstieg des Messwerts kann auf die stärkere N-Nachlieferung aus dem Boden zurückgeführt werden. Die schauerartig gefallenen Niederschläge der vergangenen Wochen und der deutliche Temperaturanstieg mit merklich steigenden Bodentemperaturen ab Ende Mai führten zu idealen Mineralisationsbedingungen. Aufgrund der lange verzögerten N-Nachlieferung aus dem Boden ist unter den aktuellen Witterungsbedingungen auch weiterhin mit einer verstärkten N-Nachlieferung aus dem Boden zu rechnen. 

Aktuell befindet sich der Weizen in der Blüte. Die Ährengabe auch bei spät gesätem Weizen sollte aus Grundwasserschutzsicht abgeschlossen sein. Spätere N-Gaben erhöhen das Risiko, dass der Stickstoff nicht mehr durch den Weizen aufgenommen werden kann.

Die vergangenen Niederschläge fielen größtenteils schauerartig und ungleichmäßig über das Beratungsgebiet verteilt. In Gebieten mit vergleichsweise niedrigen Niederschlagssummen sollte daher über eine Beregnung nachgedacht werden, wenn der Verdacht besteht, dass der Stickstoff aus der Ährengabe nicht komplett durch den Weizen aufgenommen werden konnte.

 

Messreihe Wintergerste:

Flächendaten:

Standort: Leeheim
Vorfrucht: Wintergerste
Kultur: Wintergerste (Vermehrung)
Sorte: Somerset
Frühjahrs-Nmin-Wert am 28.01.2021: 83 kg N/ha (0-90 cm)
1. Düngetermin 21.02.2021: 70 kg N/ha mit Ammonsulfatsalpeter
2. Düngetermin 30.03.2021: 41 kg N/ha mit Kalkammonsalpeter

Ab dem 25.3. wurde die Fläche in regelmäßigen Abständen der Chlorophyllgehalt der Blätter bestimmt (grüne Linie). Ab dem 01.04.2021 wurde zusätzlich zu jedem Messtermin die Bodentemperatur in 15 cm Tiefe erfasst (braune Linie). Die zweite N-Gabe erfolgte in Höhe von 41 kg N/ha mit Kalkammonsalpeter am 30.03.2021 (rotes Dreieck). Am 01.04.2021 wurde anhand einer Pflanzensaftmessung der Nitratgehalt im Pflanzensaft bestimmt.


 

Einordnung der Messwerte:

Der optimale Chlorophyllmesswert liegt bei der Wintergerste zum Schossen mit 670 etwas niedriger als bei Winterweizen. Die Einflussfaktoren auf die Grünfärbung wurden bereits für Winterweizen erläutert und werden daher hier nicht mehr erwähnt. 

Zu Beginn der Messreihe am 26.03. lag der Chlorophyllmesswert bei 573. Dies entspricht einem Bedarf von ca. 40 kg N/ha. Dabei muss aber beachtet werden, dass sich diese Angaben auf Futtergerste und nicht auf Braugerste beziehen. Da es sich bei der ausgewählten Fläche um eine Saatgutvermehrungsfläche handelt, können die Werte für Futtergerste als Orientierung herangezogen werden.

Zum Zeitpunkt der zweiten Chlorophyllmessung konnte ein Anstieg des Messwerts auf 627 ermittelt werden, was in etwa einem Kulturbedarf von ca. 30 kg N/ha entspricht. Der Anstieg lässt sich ggf. durch die kurz zuvor erfolgte N-Düngung erklären. An den darauf folgenden Messterminen konnten schwankende Messergebnisse um 600 beobachtet werden. Dies scheint die bereits schon beim Winterweizen getroffene Vermutung zu bestätigen, dass durch die ausbleibenden ergiebigen Niederschläge die Wasserversorgung und somit auch die Nährstoffversorgung gestört ist. Auch die am 01.04.2021 durchgeführte Pflanzensaftmessung lag mit 300 ppm Nitrat im Pflanzensaft unter dem Optimalwert von 400 ppm. Am 23.04.2021 wurde deshalb zur Überprüfung eine Bodenanalyse in 0-90 cm Tiefe durchgeführt. Mit 61 kg N/ha (0-30 cm: 43 kg N/ha; 30-60 cm: 14 kg N/ha; 60-90 cm: 4 kg N/ha) lag zum Zeitpunkt der Messung ausreichend Stickstoff im Bodenvorrat vor. Trockenheitsbedingt kann dieser nur in sehr geringem Umfang durch die Kultur aufgenommen werden.


Update 12.05.2021:

Ähnlich wie beim Winterweizen konnte in der Wintergerste im Zeitraum vom 25.04. bis zum 09.05.2021 eine leichte Zunahme des Chlorophyllgehalts beobachtet werden. Jedoch fiel der Anstieg im Chlorophyllmesswert geringer aus als im Winterweizen. Trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass der im Boden vorhandene Stickstoff durch die gefallenen Niederschläge aufgenommen werden kann.

Mittlerweile ist in den allermeisten Fällen die Ähre schon deutlich sichtbar. Die Düngung zur Futtergerste sollte abgeschlossen sein. 


Update 09.06.2021:

In der Wintergerste konnte ab dem 03.05. bis zum 26.5. ein konstanter Anstieg des Chlorophyllmesswerts von 574 auf 660 festgestellt werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gerste den im Boden vorhandenen Stickstoff (61 kg N/ha gemessen am 23.4.) in diesem Zeitraum sehr gut aufnehmen konnte.
Der Anstieg der Bodentemperatur ab Ende Mai mit, wie schon beschrieben, guten Mineralisationsbedingungen führte im Vergleich zur Messung im Weizen nicht zu einem merklichen Zuwachs des Chlorophyllmesswerts. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Gerste physiologisch begonnen hat abzureifen und der vorhandene Stickstoff nicht mehr für die Chlorophyllbildung genutzt wird. Dennoch bewegten sich die Messwerte ab Ende Mai sehr nahe am Optimalbereich.


Fazit:

Mit 24,3 mm (März) und 32 mm (April) blieben die Niederschläge im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich unterdurchschnittlich. In der Folge konnte der im Boden vorhandene Stickstoff nur sehr schwer durch die Kultur aufgenommen werden. Mit weiteren Düngemaßnahmen sollte zu diesem Zeitpunkt gewartet werden, bis ergiebigere Niederschläge gemeldet wurden.

Durch die Niederschläge der letzten Wochen (ca. 25 mm) wurde der noch im Boden vorhandene Stickstoff für das Getreide verfügbar und kann nun aufgenommen werden. Die wärmere Witterung (insbesondere moderate Nachttemperaturen) führten zudem zu guten Wachstumsbedingungen. Das zeigte sich auch in einem Anstieg des Chlorophyllwerts.

Die Düngung im Getreide sollte inzwischen abgeschlossen sein.

Bei ausbleibenden Niederschlägen sollte bei Weizen jedoch weiterhin über eine Beregnung nachgedacht werden, damit der vorhandene Stickstoff aufgenommen werden kann und im Fall von Weizen für die Proteinbildung zur Verfügung steht. Andernfalls können auf Grund der nicht aufgenommenen Nährstoffe N-Überschüsse nach der Ernte auftreten, die ggf. zu erhöhten Herbst-Nmin-Gehalten führen können.

Ab Ende Mai mit spürbar steigenden Luft- und Bodentemperaturen bei gleichzeitig vorhandener Bodenfeuchte durch schauerartige Niederschläge konnte eine Zunahme der N-Mineralisation dokumentiert werden (Anstieg des Chlorophyllmesswerts im Weizen). Die Weizenbestände im Beratungsgebiet befinden sich in der Blüte. Die N-Düngung zu Weizen sollte daher zur Vermeidung höherer Nachernte-Nmin-Werte unbedingt abgeschlossen sein. Falls eine Ährengabe erfolgte sollte geprüft werden, ob der Dünger durch die gefallenen Niederschläge (regional erhebliche Unterschiede in den Niederschlagssummen) gelöst und durch die Kultur aufgenommen werden konnte. Andernfalls sollte zeitnah eine Beregnung des Bestandes erfolgen.

Bitte beachten Sie das witterungsbedingte erhöhte Fusariuminfektionsrisiko im Weizen (insbesondere nach Mais). 

 

Über die Methode der Chlorophyllmessungen im Wintergetreide:

Ein wichtiger Bestandteil der grundwasserschutzorientierten Beratung in Getreide ist die Messung des Chlorophyllgehalts im Blatt. Dieser korreliert mit der Stickstoffversorgung. Anhand des Chlorophyllgehalts können so Rückschlüsse auf die N-Versorgung der Kultur gezogen werden. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie zum Beispiel der Getreidesorte, der Bodenart, dem Verwendungszweck des Getreides und der Witterung können dadurch geplante Düngemaßnahmen an den aktuellen Bedarf des Pflanzenbestands angepasst werden.

Für die Bestimmung des Chlorophyllgehalts werden von der WRRL-Beratung der N-Tester von Yara sowie das SPAD-Chlorophyllmessgerät genutzt. Die Messungen werden im Rahmen der Beratung kostenlos durchgeführt. Bei Interesse können Sie sich gerne an das WRRL-Team wenden.

 

Hier finden Sie die aktuellen Nmin-Werte der WRRL-Frühjahrsbeprobung im Hessischen Ried.
Diese werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt.

Falls es für Ihre Kulturfolge noch keine Referenzwerte gibt, können vorerst auch die Orientierungswerte aus der WRRL-Beratung verwendet werden, diese müssen jedoch korrigiert werden, sobald Referenzwerte für die Kulturfolge verfügbar sind.

Nmin-Referenzwerte nach Kulturfolge für die Düngebedarfsermittlung:
Stand 09.06.2021


Nmin-Orientierungswerte nach Erntefrucht 2020:



Die Orientierungswerte beziehen sich auf die jeweilige Vorkultur. 

In den Tabellen sind die Mediane für die Bodenschichten angegeben.

 

Für Fragen steht Ihnen das Team der WRRL-Beratung gerne zur Verfügung.




Seit 01.01.2021 ist die hessische Ausführungsverordnung zur Bundes-Düngeverordnung in Kraft. Dadurch wurden für die §13-Gebiete („Rote Gebiete“) neue Regelungen festgelegt.

 

Welche Flächen in den neu ausgewiesenen §13-Gebieten liegen (nach der Binnendifferenzierung) und daher von den neuen Regelungen betroffen sind, kann im Geoportal Hessen über folgenden Link abgerufen werden:

 

https://www.geoportal.hessen.de/map?WMC=3430

 

(Die Karten können nur mit einem aktuellen Browser geöffnet werden)

 

Befindet sich eine Fläche zu 50 % oder mehr in der Kulisse, gelten die Regelungen für den gesamten Schlag.

 

Sieben Bestimmungen sind verpflichtend für alle Bundesländer in den §13-Gebieten festgelegt. Diese haben wir Ihnen bereits in unseren Beratungsrundbriefen 2020 aufgelistet.

Mindestens zwei weitere Anforderungen müssen die Bundesländer individuell festlegen.

 

In Hessen gelten folgende ergänzende Regelungen in den §13-Gebieten:

 

  • Wirtschaftsdünger darf nur aufgebracht werden, wenn vor dem Aufbringen der Gehalt an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff (Ammonium) und Phosphat ermittelt worden ist. Die Wirtschaftsdünger müssen alle zwei Jahre auf die genannten Nährstoffe analysiert werden.
  • auf Ackerland dürfen maximal 130 kg/Hektar und Jahr Gesamtstickstoff aus organischen Düngemitteln aufgebracht werden. Davon ausgenommen sind Festmist von Huf- und Klauentieren und Kompost bzw. Champost.

Feldgemüsebaubetriebe können alternativ eine Stoffstrombilanz über den gesamten Betrieb erstellen, deren Kontrollwert im gleitenden dreijährigen Mittel 75 kg/Hektar und Jahr nicht überschreiten darf.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

 

https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/neue-landesduengeverordnung-ist-am-31-dezember-2020-in-kraft-getreten

 

https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/2020-12-30_avduev.pdf

 

https://www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/belastete-gebiete-nach-duev
Mit den Anpassungen der Düngeverordnung im Mai 2020 und mit den zusätzlichen Anforderungen für die
gefährdeten Gebiete („Rote Gebiete“) gibt es Änderungen für die Ausbringungszeiträume von Düngemitteln (neue Sperrfristen). 

 

Generell gilt, dass nach der Ernte der letzten Hauptfrucht Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff (1,5 % N in der Trockenmasse) nicht ausgebracht werden dürfen. Es gibt jedoch Ausnahmen:
  • Gemüsebaukulturen und Beerenobst dürfen nach einer schriftlichen Bedarfsermittlung bis einschließlich 30.11. gedüngt werden. Ab 01.12. beginnt für diese Kulturen die Sperrfrist für flüssige organische sowie für mineralische Düngemittel und dauert bis einschließlich 31.01 an.
  • Grünland, Dauergrünland und Feldfutter (bei Aussaat bis 15. Mai) darf bei festgestelltem Bedarf bis 31. Oktober gedüngt werden. Zusätzlich gilt: In der Zeit vom 01. September bis 31. Oktober dürfen mit flüssigen organischen Düngemitteln und Gärresten nur noch maximal 80 kg N/ha Gesamtstickstoff aufgebracht werden. Ab 01.11. gilt für flüssige organische sowie für mineralische Düngemittel bis einschließlich 31.01. eine Sperrfrist.
  • Im Ackerbau dürfen flüssige organische Dünger wie Güllen, Gärreste (auch feste Gärreste), Geflügelmist, Klärschlamm und mineralische Düngemittel nach der Ernte der Hauptfrucht nur ausgebracht werden, wenn ein Düngebedarf nachgewiesen werden kann. Eine Düngung nach der Ernte der Hauptfrucht ist in der Regel nur nach Getreide und nur zu den Kulturen Wintergerste, Winterraps, Zwischenfrüchte oder Feldfutter erlaubt. Wichtig dabei ist, dass die genannten Kulturen bis zum 15.09. bzw. bis zum 01.10. (im Fall von Wintergerste) gesät wurden.
    Der Zeitraum der Sperrfrist für flüssige organische Dünger und mineralische Dünger beginnt am 01.10. und endet am 31.01.
  • Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost und Pilzsubstrat dürfen nach der Ernte der letzten Hauptfrucht ausgebracht werden. Im Zeitraum vom 01.12. (früher 15.12.) bis zum 15.01. gilt für diese Stoffe eine Sperrfrist.

Seit diesem Mai muss der pflanzenverfügbare Anteil des ausgebrachten Stickstoffs, der nach der Ernte der
Hauptfrucht ausgebracht wurde komplett der Folgekultur angerechnet werden (mineralischer Dünger zu 100 %, Gülle mindestens zu 60 % bzw. Schweinegülle zu 70 %, Festmist mindestens zu 25 %, Pilzsubstrat mindestens zu 10 % und Kompost mindestens zu 5 %). Wurde beispielsweise im Herbst die Kultur Winterraps mit 40 kg N/ha mineralisch gedüngt, so muss diese Menge vom ermittelten Düngebedarf im Frühjahr abgezogen werden.

Neu ergänzt wurde in der Anpassung der Düngeverordnung eine Sperrfrist für die Phosphatdüngung. Düngemittel (mineralisch und organisch), die mehr als 0,5 % Phosphat (P2O5) enthalten, dürfen in der Zeit vom 01. Dezember bis zum 15. Januar nicht aufgebracht werden.

Für Fragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mitte September fand ein WRRL-Bodentag zum Thema Ertragspotenzial von Böden in der Gemarkung Trebur statt. Herr Dr. Keil von der Oberfinanzdirektion Frankfurt führte als Referent die Bodenprofilansprachen durch und stand für Fragen rund um den Boden und dessen Bewirtschaftung zur Verfügung.

Gerade in den letzten Trockenjahren zeigte sich, dass sich die Erntemengen von Standort zu Standort oder sogar innerhalb eines Schlages erheblich unterscheiden können. Anhand von zwei Bodenprofilgruben sollte daher ein besonderes Augenmerk auf das Ertragspotenzial von Böden gelegt und Möglichkeiten zur Verbesserung erörtert werden.

Eine Besonderheit der betrachteten Fläche ist ein diagonal verlaufender Streifen mit wechselnden Bodeneigenschaften. Auf dieser Teilfläche erfolgte vor einigen Jahren eine Bodenbearbeitung mit einer Tiefspatenmaschine. Auf dem wenige Meter breiten tiefgespateten Streifen konnte in den zurückliegenden Jahren eine spätere Abreife und ein höherer Ertrag der angebauten Kultur beobachtet werden.

Die Profilgruben wurden so angelegt, dass die Gruben einen ertragsstärkeren und einen ertragsschwächeren Teil abbildeten. Es zeigte sich, dass die Ertragsabweichungen auf diesem Schlag vor allem durch die im Beratungsgebiet weitverbreitete Rheinweißschicht hervorgerufen werden. Die Reinweißschicht bildet eine Barriere die je nach Ausprägung der Schicht den kapillaren Aufstieg des Grundwassers und die Durchwurzelung von tieferen Schichten behindern kann.